Der Maler ist im Bild
Matthias Koeppel
zum 80. Geburtstag
Malerei aus den Jahren 1954 bis 2017

Mit 18 Jahren studiert Matthias Koeppel an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin 1955–61 zunächst bei den Professoren Hans Jaenisch und Albert Klatt, dann Wandmalerei bei Hans Kuhn. Er malt großformatige Farb- und Formkompositionen.

In den folgenden Jahren löst er sich von der seit Ende des Zweiten Weltkrieges vorherrschenden informellen Malerei. Abstraktion war die Losung in der ideologisch aufgeheizten Nachkriegszeit. Koeppel stellt sich gegen den Mainstream. Wer damals eine Landschaft oder einen Akt malte, wurde geächtet. Aber Koeppel lässt sich nicht beirren. Ihm fehlt in der abstrakten Malerei die Möglichkeit, die Gesellschaft zu interpretieren, die Umwelt darzustellen und – sein großes Talent – Geschichten zu erzählen. Tristesse und Heiterkeit, zerstörte Umwelt und Idylle, Hässlichkeit und Schönheit – in diesem Spannungsfeld siedelt er seine Themen an.

Um 1965 hören seine Figuren auf, Staffage zu sein und entwickeln ein Eigenleben. Er gewinnt den ersten Preis der Karl-Hofer-Gesellschaft mit seinem »Selbstbildnis« von 1965, dessen Ölstudie in der Ausstellung zu sehen ist. 1970 präzisiert er die realistischen Details, scharfe Farbkontraste und glatte Flächen führen fast zu einem gesteigerten Realismus, der an Fotorealismus und Maschinenästhetik erinnert und in die ersten Hauptwerke wie das Gemälde »1. Mai« (1971) mündet.

1973 gründen die vier Berliner Realisten Matthias Koeppel, Manfred Bluth, Johannes Grützke und Karlheinz Ziegler die »Schule der Neuen Prächtigkeit«, in der mit nahezu methodischem Vorgehen experimentiert wird. Mehrere Jahre ziehen sie als Gesamtkunstwerk mit Malerei, Schauspiel, Musik, Dichtung, Fotografie, Szenischen Nachstellungen etc. die Aufmerksamkeit auf sich. Aus dieser Schaffensphase wird je ein Werk der vier Schüler der Künstlergruppe gezeigt.

In den folgenden Jahrzehnten erobert Koeppel, der Skeptiker, Humorist, Visionär und Kritiker, die Hauptstadt als Bühne für Liebeserklärungen an den Berliner Himmel, als Folie für hintergründigen Humor und als kontinuierliche Mahnung – wenngleich ohne moralischen Unterton, sondern liebevoll, oft ironisch, manchmal bissig. Er hinterfragt politische, soziale und kulturelle Verhältnisse.

Koeppels Werk oszilliert zwischen moderner Historienmalerei und realistisch gebrochener, romantischer Stimmungsmalerei. Seit zehn Jahren entwickelt Koeppel den Personalstil des Neokubismus, mit dem er die die Ausdrucksmöglichkeit gegenständlicher Kunst erweitert. Dem Neokubismus ist ein eigener Raum gewidmet.

Häufig ist der Maler im Bild, das Vieldeutige seiner Themen hingegen ist oft verschlüsselt. Zugleich reflektiert er seinen eigenen Standpunkt als Maler: Wo steht er? Was sieht er? Was will er mitteilen, was in Frage stellen? – Der Maler ist im Bild.

Zum 80. Geburtstag des Künstlers erscheint das Katalogbuch
»nichts bleibt, wie es ist. Matthias Koeppel, Malerei«, Verlag SMK,
152 Seiten, 25,00 Euro, ISBN 978-3-9818972-0-3, Verkauf in der Ausstellung

Rahmenprogramm
Führung und Gespräch mit Matthias Koeppel:
Donnerstag, 21.09.2017, 14 Uhr
Donnerstag, 12.10.2017, 14 Uhr
Donnerstag, 26.10.2017, 14 Uhr
Donnerstag, 16.11.2017, 14 Uhr

Über die Schulter geschaut:
Matthias Koeppel malt in den Ausstellungsräumen der Zitadelle
jeden Freitag ab 14 Uhr

Matthias Koeppel, Performance zum Richtfest des Museums der Moderne, 2016/17, Öl/ Lw., 150 x 200 cm