Wie verändert sich das eigene Urteil, wenn man nichts über Namen und Herkunft der Urheber weiß? Wie bestimmt man den Wert einer Zeichnung, wenn alle Arbeiten zum gleichen Preis angeboten werden? Wo verläuft die Grenze zwischen Kunst und Nicht-Kunst?

ANONYME ZEICHNER ist ein Ausstellungsprojekt, das diese Fragen in der Praxis untersucht. Die Ausstellung im “ZAK – Zentrum für Aktuelle Kunst” in Berlin präsentiert vom 30.1. – 25.4.2027 rund 600 Zeichnungen von 600 internationalen Künstler*innen, ohne deren Namen oder die Titel der Arbeiten preiszugeben.

Jede Arbeit wird zu einem symbolischen Einheitspreis von 250 € angeboten. Davon erhalten die Künstler*innen 200 €, der verbleibende Betrag finanziert zukünftige Ausschreibungen und Ausstellungen. Der Einheitspreis bildet nicht den Marktwert einer Arbeit ab. Er steht als konzeptioneller Platzhalter für jeden denkbaren Preis im Kunstmarkt und für die Möglichkeit von Kunst jenseits ökonomischer Hierarchien. Die Anonymität bleibt bis zum Verkauf einer Zeichnung gewahrt. Sobald ein Werk verkauft ist, wird es von der Ausstellungswand genommen; an seiner Stelle werden der Name und der Herkunftsort der Künstlerin oder des Künstlers auf die Wand geschrieben. So verändert sich das Gesamtbild der Ausstellung fortlaufend – und die Ausstellung selbst wird zum prozesshaften Kunstwerk.

Der Ausstellung geht ein internationaler Aufruf zur Teilnahme voraus. Die Einreichung erfolgt per Online-Formular. Es gibt keine thematischen Vorgaben; einzige Einschränkung ist das maximale Format von A3 (29,7 × 42 cm). Biografische Angaben entfallen. Die Auswahl erfolgt ausschließlich anhand anonymisierter Bilddateien. Nur ausgewählte Künstler*innen werden gebeten, ihre Originalzeichnungen nach Berlin zu schicken. Die Teilnahme ist kostenlos und steht allen offen, hier finden Sie das Onlineformular. Der Online-Einsendeschluss ist der 27. September 2026 / 00:00 MEZ.

“Anonyme Zeichner” ist zugleich konzeptuelle Arbeit und Ausstellungsplattform: ein kollektives Kunstwerk ohne Hierarchien, das die Beziehung zwischen Kunst, Markt und Öffentlichkeit immer wieder neu befragt.

Mehr Informationen erhalten Sie auf der Webseite des Projektes.