Mit dem früheren Laborgebäude, dem heutigen Gerd-Steinmöller-Künstlerhaus, dem ehemaligen Toxikologischen Institut auf der Bastion Brandenburg und dem Gasversuchsraum bei den Italienischen Höfen stehen drei denkmalgeschützte Gebäude auf dem Gelände der Zitadelle bei diesem Projekt im Fokus. Sie alle spielten während der Zeit des Nationalsozialismus eine wichtige Rolle im Kontext der hier angesiedelten Heeresgasschutzlaboratorien der Wehrmacht.
Die Künstlerin georgia Krawiec (*1972 in Kędzierzyn/ Polen) entwickelte dazu drei optische Apparate, sogenannte Camerae obscurae, die auf die dunkle Geschichte dieser Häuser verweisen. Trotz intensiver historischer Forschung bleiben viele Fragen zur Nutzung dieser Gebäude unbeantwortet und zwar mangels genügender Aufarbeitung, williger Zeitzeugen sowie zugänglicher Akten und Archive.
In eine Camera obscura schauend sehen die Besucher*innen Überraschendes: Das Bild vom toxischen Baudenkmal erscheint verkehrt herum. Die Besucher*innen werden angeregt, genauer hinzuschauen, Kunst mit Geschichte und Geschichte mit Kunst zu denken, aber auch Vergangenheit zu bedenken, sie zu überdenken und Denkmäler umzudenken.
Die größte Camera obscura nimmt das Künstlerhaus ins Visier. Zu diesem Gebäude hat die Künstlerin eine besondere Beziehung, da sie hier ihr Atelier, ein schöpferisches Zuhause gefunden hat. In der NS-Zeit beherbergte es das Kernstück der Heeresgasschutzlaboratorien: das Institut zur Synthese und Analyse chemischer Kampfstoffe.
Durch das bewusste Platzieren der Camerae obscurae auf dem Gelände der Zitadelle werden die Besucher*innen eingeladen, sich auf die Suche nach anderen Projektionen historisch belasteter Baudenkmäler zu begeben und Kunst im Spannungsfeld zwischen Geschichte, Architektur und dem eigenen Standpunkt zu erleben.